Florian Grolimund, „Mit Kindern lernen“
www.mit-kindern-lernen.ch
Wer sind Sie und was bieten Sie an?
Ich heisse Fabian Grolimund, bin Psychologe und habe mich in den letzten zehn Jahren auf die Themen „Lernen“ und „Psychologische Beratung“ spezialisiert. Zusammen mit Nora Völker und Stefanie Rietzler leite ich das Projekt „Mit Kindern lernen“, das Eltern in der gesamten Schweiz dabei hilft, Kinder beim Lernen und bei den Hausaufgaben sinnvoll zu unterstützen.
Worin besteht Ihr besonderes Fachwissen?
Viele Kinder, besonders solche mit Lernschwächen, machen nur ungern Hausaufgaben und gehen dem Lernen und der Prüfungsvorbereitung zu Hause gerne aus dem Weg. Die Eltern erleben diese Situation in der Folge als sehr problematisch: Die Hausaufgaben werden nur nach mehrmaligem Auffordern und unter grossem Druck gemacht und arten oft in Streit aus. Andere Kinder machen die Hausaufgaben nur, wenn die Eltern ständig daneben sitzen und die ganze Zeit helfen. Viele Eltern fragen sich daher: Wie kann ich mein Kind für das Lernen motivieren? Wie gehe ich mit Hausaufgabenkonflikten um? Wie kann ich mein Kind zu mehr Selbständigkeit anleiten? Welche Lernstrategien sind für Primarschulkinder sinnvoll? Wie kann ich bei Rechen-, Lese- oder Rechtschreibschwierigkeiten helfen?
Mit Hilfe unserer Webseite, unseren Büchern, Seminaren, unserer Facebook-Seite, einem kostenlosen Online-Kurs und Kurzfilmen möchten wir den Eltern Antworten auf diese Fragen geben. Dazu bereiten wir das eher trockene Wissen aus wissenschaftlichen Studien so konkret und praxisnah wie möglich auf und würzen es – wenn möglich – mit einer Prise Humor.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, kostenlos Wissen zu veröffentlichen?
Bereits während dem Studium hatte ich begonnen, Schüler/innen und Studierende, die mit Lernschwierigkeiten und Prüfungsängsten zu kämpfen hatten, zu beraten. Im Rahmen meiner Lizentiatsarbeit (Diplomarbeit) habe ich ein Training gegen Prüfungsängste entwickelt und mit Studierenden der Universität durchgeführt. Dies führte bald zur Idee, eine Webseite zu diesem Thema zu erstellen und ein Buch zu schreiben. Die Rückmeldungen haben mich dann dazu angespornt, mit dem Projekt weiterzumachen.
Auf der Suche nach einer Idee für meine Doktorarbeit hatte ich plötzlich den Gedanken: „Wenn ich zu diesem Thema einen Online-Kurs entwickle, kann ich nicht nur den Kurs evaluieren und dazu meine Doktorarbeit schreiben, sondern auch vielen Eltern und Kindern bei einem häufigen und nervenaufreibenden Problem weiterhelfen.“ Zusammen mit einigen Studierenden, die zu diesem Thema eine Bachelorarbeit schreiben wollten, machte ich mich an die Arbeit. Wir schrieben 12 leicht verständliche Lektionen mit jeweils einem wichtigen Thema, konkreten Tipps und einer kurzen Übung und machten in der Presse auf das Projekt aufmerksam. Innert zwei Monaten meldeten sich über 700 Eltern für den Kurs an. Inzwischen kann man sich auf unserer Seite kostenlos für den Kurs eintragen und erhält in der Folge automatisch von einem Newsletterprogramm alle 12 Lektionen mit hilfreichen Tipps und Strategien rund um die Themen Lernen und Hausaufgaben.
Welche Erfolge haben sie damit?
Die schönste Erfahrung für mich war, dass man durch das Teilen von Wissen auf dem Internet die typischen „Torwächter“ umgehen kann. Um ein Buch zu veröffentlichen oder Artikel in einer Zeitschrift zu schreiben, muss man einen Namen haben. Den hatte ich gleich nach Abschluss meines Studiums natürlich noch nicht. Aber niemand konnte mich daran hindern, mein Buch in einem Selbstverlag zu drucken, Texte auf meine Internetseite zu stellen oder mit der eigenen Kamera Videos zu drehen und auf Youtube zu stellen.
Danach wurde vieles leichter. Je mehr Texte auf der Internetseite verfügbar waren, desto mehr Anfragen für Vorträge und Seminare erhielt ich. Journalisten stolperten über die Seite und wollten Interviews und als ich für mein zweites Buch einen Verlag suchte und sie skeptisch waren, ob es eine Nachfrage gibt, war ich froh, dass ich sagen konnte: „Ich habe mein erstes Buch kostenlos als pdf auf meiner Webseite veröffentlicht mit dem schlichten Hinweis, dass man es auch als Druckversion kaufen kann – und ich habe bisher über 2000 Exemplare verkauft.“
Ein weiterer schöner Erfolg entstand durch Videos, die wir selbst gedreht hatten. Unsere selbst zusammengestiefelten Filmchen gefielen einer Stiftung, worauf sie es uns ermöglichte, eine Serie von professionellen Clips zu drehen. Einen ersten Kurzfilm zum Thema „Wörter lernen“ sieht man hier.
In jüngster Zeit erhalten wir immer mehr Anfragen für Kooperationen von namhaften Partnern. Die Seminare laufen so gut, dass ich meine Assistentenstelle auf Ende des Monats gekündigt habe und mich nun ganz selbständig mache.
Welche Plattformen nutzen Sie dazu?
Wir sind keine Marketing-Profis und würden den Computer auch nicht als unseren besten Freund bezeichnen. Daher dauert es trotz unserer jungen Jahre immer sehr lange, bis wir uns in ein Medium eingearbeitet haben. Wir nutzen bisher vor allem unsere Webseite.
Letzten Monat haben wir uns zudem dazu durchgerungen, Facebook auszuprobieren. Wir waren zunächst skeptisch, aber nun macht es uns richtig Spass, da wir über dieses Medium stärker mit unseren Lesern interagieren können.
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Toll! Die Idee und diese ganze Geschichte finde ich unheimlich spannend und lobenswert.
Wünsche weiterhin viel Erfolg mit und bei diesem Projekt!